ReStart 2002

...oder: "Back on the road!"

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Die letzte grössere Tour des Jahres war für mich noch etwas ganz Besonderes und fast schon aus der Verzweiflung entstanden. Eigentlich hatte ich ja ursprünglich eine Neu-Auflage meines BigRides 2001 geplant. Aber dank meines Crashs vom Juni war ich inzwischen eigentlich nur noch froh, überhaupt wieder auf dem Bike sitzen zu können. Psychologisch waren die Auswirkungen nämlich nicht zu übersehen:

Ich bremste unbewusst an Stellen, wo ich vorher nie gebremst hätte und an flüssiges Kurven-Räubern war nicht mehr zu denken. Irgendwie stand der Kopf dem Fahren doch immer wieder im Weg.

Nur um kein Missverständnis aufkommen zu lassen:
Ich fühlte mich grundsätzlich wieder sauwohl auf zwei Rädern, also keine direkte Angst oder Unsicherheit. Sonst hätte ich es garantiert ganz bleiben lassen.
Dass man aus solchen Ereignissen lernt, ist ja eigentlich (hoffentlich) normal. Aber wenn der Kopf plötzlich sozusagen dauernd die Bremse ohne grössere Notwendigkeit zieht, dann ist das auch nicht ideal.
...und sicher nicht lustig, hinter so jemandem herzufahren. ;-))

Also entschloss ich mich kurzfristig, ein paar Tage ohne grosse Planung Richtung Alpen zu düsen, zumal der Wetterbericht auch noch super aussah. Die Dimensionen des BigRide waren mir unter den Umständen einfach zu riskant.

Trotzdem wurden es etwa 2.500km in den drei Tagen. Und das inclusive einiger echter Brocken, wie z.B. Stilfserjoch, Timmelsjoch, Silvretta, Kaunertaler Gletscher, Ötztaler Gletscher und einige mehr.

Es war wieder mal eine Tour, die sich echt gelohnt hat - in jeder Hinsicht. Tolle Strecken, geiles Wetter und kaum Probleme.

Highlight war neben dem Kaunertaler Gletscher in morgendlicher Einsamkeit und dem Stilfserjoch mit freier Fahrt früh um sieben Uhr (dank Unterkunft zwischen Kehre 4 und 5) sicher die Ötztaler Gletscherstrasse. Und das leider in beiderlei Hinsicht:

Positiv, weil damit die höchste befahrbare Alpenstrasse absolviert wurde.

Bitte nicht gleich E-Mail als Protest schreiben:
Der "Col de la Bonette" trägt zwar den Titel "höchster Alpen-PASS", aber der südliche Tunnelausgang am Tiefenbachferner liegt mit 2.829m exakt 27m höher als der Bonette. Tja.

Negativ aber, weil der Tunnel ein echter Höllenritt war. Dank Ausbesserungsarbeiten in diesem Jahr war der Untergrund zunächst mit einer Sandschicht überzogen. Dank des ständig einlaufenden Schmelzwassers vom Gletscher war die Piste aber plötzlich etwa 2-3cm hoch schmierseifenartig präpariert. Zudem am Wochenende in voller Länge unbeleuchtet!
Das Ganze war noch halbwegs erträglich in Richtung Tiefenbachferner dank der Steigung, die man mit sanftem Gas und beiden Füssen am Boden halbwegs hinkriegte. An Wenden war eh nicht zu denken.

ABER DANN DER RÜCKWEG - BERGAB!!!! Das war der Hammer schlechthin:

1.Gang Standgas: zuviel Bremswirkung und Abschmieren übers Hinterrad. 2.Gang Standgas: zu schnell und sofort ab beim Bremsen. Gas: Keine Chance. Kein Gas: Motor aus dank der dünnen Luft in der Höhe!...und damit auch Licht aus!!!
Also: 2.Gang mit vorsichtig schleifender Kupplung und gleichzeitig viel Gas, damit ausreichend Licht bleibt. Dabei beide Füsse am Boden zum Abbremsen und Balancieren. Das war ein einziges Schlingern und Driften bis zum Querstehen, ohne weiteres Bremsen und Lenken, sondern einfach so wie es einen abwärts zog. Begleitet von Dosenpiloten, denen diese Problematik völlig unklar war.

Als ich dort wieder raus war, war ich nicht der einzige Biker, der dem benachbarten Bergvolk ein paar nette Worte zukommen liess. :-(( Wenigstens blieb mir erspart, was zwei anderen Bikern dabei passierte: Die Kiste abzulegen und seitlich auf der Schlickpiste langzurutschen.
Bilder vom Bike hatten sich ab dann erledigt, denn die Maschine sah aus wie Sch....

Am Rettenbachferner legte ich dann einen gemütlichen Stop ein - umgeben von Dutzenden von Snowboardern. :-))

Den Rest der Tour habe ich einfach mal in Bilder festgehalten und die schönsten findet Ihr in der Galerie.

Nächstes Jahr gibt es dann wieder ausführliche Tourenberichte mit Bildern. Geplant habe ich mal Pyrenäen und eine Tour Richtung Mont Blanc und Lago Maggiore. Also bis dann.


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